Aktienmärkte: Jenseits der Eskalation zählen Selektion, Rotation und strukturelle Trends
Die Eskalation im Nahen Osten hat die Börsen kurzfristig aus dem Takt gebracht, doch jenseits der Schlagzeilen bleiben fundamentale und strukturelle Trends für Anleger entscheidend. „Während US- und europäische Aktienmärkte auf Sicht der nächsten Monate insgesamt neutral einzuschätzen sind, rücken andere Themen stärker in den Mittelpunkt: Marktverbreiterung, Stilrotation und langfristige Branchenthemen“, sagt Thorsten Fischer, Managing Director und Head of Portfolio Management bei Moventum AM.
Die jüngste militärische Eskalation hat in den USA zu steigenden Energiepreisen, höheren Inflationserwartungen, steigenden Staatsanleiherenditen und sogar potenziellen Zinserhöhungen der Notenbanken noch in diesem Jahr geführt – mit entsprechend negativer Reaktion an den Aktienmärkten. Entspannt sich der Konflikt, dürfte sich das mittelfristige Bild normalisieren und der Fokus wieder stärker auf Makrodaten und Unternehmensgewinne rücken.
Auf Drei- und Zwölf-Monatssicht bleiben US-Aktien in der Gesamtschau neutral. Unterstützend wirken stabile Finanzkonditionen, ein robuster Arbeitsmarkt und eine weiterhin expansive Geldpolitik. „US-Aktien sind allerdings nach wie vor teuer“, mahnt Fischer. Das sehr hohe Bewertungsniveau begrenzt das Aufwärtspotenzial und erhöht die Anfälligkeit für Rückschläge. Abgesichert werden die Bewertungen allerdings durch die Erwartung, dass die Unternehmen gut verdienen werden. Effizienzgewinne, Innovation und der Investitionszyklus – etwa im Bereich Künstliche Intelligenz – macht solide Gewinn- und Margensteigerungen möglich.
Seit Ende 2025 zeigt sich laut Fischer außerdem eine zunehmende Marktbreite mit Rückenwind für Industrie-, Material- und Nebenwerte, während Software unter Druck steht. Parallel dazu verläuft eine Rotation von Growth zu Value, die sich im zweiten Quartal weiter verstärken dürfte. Das Thema KI bleibt strukturell relevant, verschiebt sich aber von einer breit angelegten Begeisterung hin zu einer differenzierten Phase mit klaren Gewinnern und Verlierern. „Es kommt also zunehmend darauf an, die richtigen Aktien zu wählen“, so Fischer. „Der Trend allein bringt nicht die Performance.“
Auch in Europa hat die Eskalation im Nahen Osten die Sensibilität für geopolitische Risiken erhöht und zugleich die Verwundbarkeit bei Energieimporten offengelegt – entsprechend fiel die Marktreaktion hier sogar etwas negativer aus als in den USA. Nichtsdestotrotz haben sich die konjunkturellen Perspektiven bis zur Verschärfung des US-Iran Konflikts seit Jahresbeginn leicht verbessert, insbesondere in Deutschland mehren sich Hinweise auf eine vorsichtige Belebung getragen durch fiskalische Impulse. „Auf die Dynamik der harten Daten warten wir allerdings noch“, sagt Fischer.
Auf Drei-Monatssicht sieht er europäische Aktien neutral, denn ein Großteil der konjunkturellen Stabilisierung sei bereits in den Bewertungen enthalten. Daneben bergen politische Konflikte Risiken. Mittelfristig dagegen sieht die Lage besser aus: Europa profitiert zunehmend von fiskalischen Impulsen in Deutschland, Spanien, Italien und Teilen Osteuropas, einem moderaten Bewertungsniveau und einem real relativ niedrigen Zinsumfeld, das steigende Unternehmensgewinne unterstützen kann.
Auch in Europa zeigt sich eine zunehmende Marktverbreiterung : Zyklische Value-Sektoren profitieren bereits von der Stabilisierung, perspektivisch könnten andere Marktbereiche ebenfalls erfasst werden. Nebenwerte wiederum werden von niedrigen Zinsen gestützt.
Blendet man die kurzfristige geopolitische Eskalation aus, eröffnen sich abseits klassischer Länderallokationen strategische Themen. Hier wirken vor allem strukturellen Trends:
• Rohstoffe: Industriemetalle profitieren von Elektrifizierung, Netzausbau, Digitalisierung und globaler Infrastrukturentwicklung. Begrenztes Angebot, niedrige Lagerbestände und strategische Lageraufbauten einzelner Staaten stützen die Preise, während Produzenten aus rohstoffreichen Regionen wie Lateinamerika vom wachsenden Bedarf an Kupfer oder Aluminium profitieren.
• Infrastruktur und „Smart Power“: Der Ausbau der Energieinfrastruktur – getrieben durch Elektrifizierung, Rechenzentren und KI – sorgt für massiv steigende Anforderungen an Netze, Speicher und Versorgung. In Europa kommen Ziele wirtschaftlicher und energetischer Unabhängigkeit hinzu, was Investitionen in intelligente Stromnetze und Energieinfrastruktur zu einem zentralen Investmentthema macht.
• Finanzsektor: Finanzwerte könnten von besseren Rahmenbedingungen und effizienteren Kapitalmärkten profitieren: In den USA sind Deregulierungstendenzen abzusehen, in Europa stehen Schritte in Richtung Spar- und Investmentunion auf dem Programm der EU.
• Technologie/KI-Wertschöpfungskette: Hier verschiebt sich der Fokus hin zu Bereichen wie Robotik, Automatisierung, industrieller Digitalisierung und KI-Infrastruktur, die direkt von steigenden Investitionen in Produktivitätstechnologien profitieren.
Fischers Fazit: „In einem Umfeld erhöhter Unsicherheit, ambitionierter Bewertungen und einer zunehmenden Teilung in Gewinner und Verlierer rückt aktive, selektive Allokation stärker in den Vordergrund als die bloße Teilnahme an breiten Indizes.“
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